Das Projekt

Das Provenienzforschungsprojekt der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern wählte eine deduktive Methode und näherte sich der Biographie einzelner Sammlungsstücke vom Archiv aus. So wurde vom externen Archivgut auf das Museum als heutigen Besitzer geschlossen. Anders als bei Projekten zu Provenienzforschung zumeist üblich, wurde kein zuvor definierter Museums- oder Bibliotheksbestand untersucht. Darüber hinaus lag ein Schwerpunkt auf der Region Franken, um die kommunalen und regionalen Charakteristiken des Entzugs darstellen zu können. Franken besaß vor der NS-Zeit die bedeutendsten jüdischen Gemeinden in Bayern, in denen etwa zwei Drittel der bayerischen Juden lebten. Des Weiteren standen nicht die Meisterwerke der bildenden Kunst im Vordergrund, sondern Kunsthandwerk, persönliche Wertgegenstände oder einfacher Hausrat. Diese Gegenstände waren wegen ihres regionalen Charakters interessant für kleinere und lokal ausgerichtete Museen.

Als Grundlage wurden die Gestapo Personenakten des Staatsarchivs Würzburg erfasst; der zweitgrößte erhaltene Bestand überhaupt. In den Akten ist der Entzug von Kulturgütern durch die Geheime Staatspolizei dokumentiert: von den Protokollen bei Wohnungsdurchsuchungen bis hin zu Beschlagnahmelisten und Versteigerungsprotokollen mit Namen der KäuferInnen und Zuschlagspreisen. Auch Museen konnten sowohl bei exklusiven Beschlagnahmungen als auch bei öffentlichen Auktionen in Erscheinung treten und sich an jüdischem Eigentum bereichern.

Das Projekt wurde von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg finanziell gefördert und im Juli 2021 abgeschlossen.

Die Landesstelle hat in Zusammenarbeit mit dem Referat für Museums- und Kulturinformatik des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg und der Interessengemeinschaft für semantische Datenverarbeitung e. V. eine projektbezogene Erfassungsplattform entwickelt, die seit Februar 2018 genutzt wird. Diese Datenbank, die unter anderem die Namen der Geschädigten, die entzogenen Objekte und Versteigerungstermine enthält, soll noch 2021 in Teilen veröffentlicht werden. Die Kompletterfassung von Einzelakten kann bei berechtigtem Forschungsinteresse über die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern oder über die Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg erfragt werden.

Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihr Forschungsinteresse und die Signatur der Akte an, über die Sie mehr Informationen benötigen.

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege - Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern
Alter Hof 2
80331 München
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